Angst

Autor: Dr. Sabine Neumaier

 

Angst
Es gibt Grundgefühle, die unabhängig von Kultur, Erziehung und Umfeld jeder Mensch kennt- Freude, Wut, Angst, Traurigkeit, Neugier, Ekel, Scham, Schuld, und Überraschung. Eine davon ist die Angst. Die Angst ist ein natürliches Gefühl, das wichtig für unser Überleben ist. Sie ist ein Teil vom unserem Lebendig sein und zeigt uns, dass wir zerbrechlich und feinfühlig sind. Weil wir Angst haben, legen wir unsere Hand nicht ins Feuer, steigen nirgends hoch, wo wir nicht mehr herunter kommen und verhalten in sozialen Kontakten nicht unmöglich.
Und es kann vorkommen, dass sich die Angst verselbstständigt. Dann stehen die Ängste nicht mehr im Verhältnis zu tatsächlichen Bedrohung und werden sehr belastend. 5-15 % der Menschen haben das mindestens einmal in ihrem Leben erlebt. Zum Teil kommen auch körperliche Symptome dazu, wie Herzrasen, Atemnot oder Schweißausbrüche. In einem Teufelskreis entwickelt sich dann oft auch eine Angst vor der Angst und die Betroffenen ziehen sich zurück, vermeiden alles, was die Angst auslösen könnte und werden so in ihrer Freiheit stark eingeschränkt.
Allein geraten viele immer weiter hinein, mit Begleitung und Hilfe können jedoch die meisten wieder ihren individuellen Weg aus der Angst heraus finden. Dazu ist es wichtig, zu erkennen, wie die Ängste entstanden sind und was sie aufrecht erhält. Das kann ein einschneidendes Ereignis wie ein Unfall oder der Verlust einer nahestehenden Person sein oder auch lang andauernder Stress.
Um sich dann den Ängsten stellen zu können braucht es eine liebevolle und empathische Begleitung. Mit der Unterstützung können die Betroffenen lernen zuerst die Angst zuzulassen und anzunehmen, um dann auch zu erkennen, dass sie wieder vorbei geht. Wenn abgeklärt ist das Symptome wie Herzrasen oder Atemnot keine körperlichen Ursachen haben, ist es wichtig die Körperwahrnehmung ganz gezielt zu schulen und die Empfindungen einzuordnen, so dass sie ihre Bedrohlichkeit langsam verlieren können. Und mit diesem Rüstzeug kann sich der Betroffene langsam wieder den angstauslösenden Situationen stellen, zuerst in der Vorstellung, dann real mit Begleitung und schließlich wieder allein.

(Dr. Sabine Neumaier)

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